Unbelastet in den Stadtrat – St. Galler Tagblatt vom 23. Juni 2016

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Carla Schelb will für die SVP einen Sitz im Gossauer Stadtrat zurückerobern. Sie bringt breite Erfahrung mit, allerdings nicht in der Politik. Die Arneggerin sieht das auch als Vorteil. Sich einzubringen ist für sie selbstverständlich.

JOHANNES WEY

GOSSAU. Carla Schelb brauchte Bedenkzeit, um sich zur Stadtratskandidatur zu entschliessen. Sie sei überrascht gewesen, als sie der Präsident der SVP-Ortspartei für den Stadtrat aufstellen wollte, sagt sie rückblickend. Denn eigentlich interessierte sie sich für eine Schulratskandidatur und wollte sich darüber informieren. «Im Gespräch mit dem Parteipräsidenten hat sich schnell gezeigt, dass mich der Stadtrat mehr interessiert und mein Rucksack die Voraussetzungen für dieses Amt erfüllt», sagt die 44-Jährige.

Von der Streife zur Hotellerie

Tatsächlich kamen in Carla Schelbs Berufs- und Famlienleben schon viele Erfahrungen zusammen. Die Bedürfnisse des Gewerbes kennt sie aus eigener Sicht: Sie führt zwei Bed and Breakfasts und arbeitet im Familienunternehmen, der RS Gebäudetechnik AG. Zuvor fuhr sie Streife bei der Kantonspolizei. «Während dieser Jahre habe ich alle Gesellschaftsschichten kennengelernt. Teilweise blickt man in Abgründe», sagt die Mutter dreier Teenager.

Jedes Departement wäre recht

Diese Erfahrungen wären ihr auch im Gossauer Stadtrat von Nutzen, ist Carla Schelb überzeugt – egal, in welchem Ressort: «Ich würde mich auf jedem Gebiet zurechtfinden. Beim einen oder anderen würde es vielleicht etwas länger dauern, mich einzuarbeiten.» Es könnte im Falle einer Wahl auf das Ressort Jugend/Alter/Soziales hinauslaufen, das bis zu seinem Wechsel in die Kantonsregierung von Bruno Damann geführt wurde. «Welches Departement ich bei einer Wahl erhalten würde, liegt aber an den bisherigen Stadträten», sagt Carla Schelb.

Engagiert in Sportvereinen

Doch trotz aller gemachten Erfahrungen, politisch ist Carla Schelb ein unbeschriebenes Blatt. Aus ihrer Sicht hätte es auch Vorteile, ein Amt «unbelastet» anzutreten. «In einem Exekutivamt wird eher zusammen gearbeitet als Politik betrieben wie im Parlament», sagt sie. SVP-Mitglied ist sie seit vier Jahren. Den Einstieg in die Politik mit einer Kandidatur für das Stadtparlament zu versuchen, sei aber nie ein Thema gewesen: «Da sitzt schon mein Mann drin» – Remo Schelb ist Vizepräsident der SVP Gossau-Arnegg. Mit ihrer Kandidatur wolle sie sich einbringen und für die Stadt einsetzen. Sie vergleicht das Amt mit ihrem langjährigen ehrenamtlichen Engagement: «Für mich ist es klar, dass man etwas zurückgibt, wenn man profitiert.» So engagiert sie sich etwa in den Sportvereinen, in denen ihre Kinder Mitglieder sind. Sie ist Kampfrichterin beim Schwimmclub Flipper, früher sass sie im Vorstand der LAG. In einer ganzen Reihe weiterer Vereine ist sie Mitglied oder Gönnerin. Also eine Interessenvertreterin der Sportvereine? Schliesslich wird die Sportanlagenplanung immer konkreter. «Ich würde mich als Stadträtin guten Gewissens als Vertreterin der Sportvereine sehen», sagt Schelb. Und das sei im Hinblick auf die Wahl bestimmt kein Nachteil. «Zeitgemässe Sport- und Schulinfrastruktur» ist dementsprechend eine von fünf Positionen, die sie auf ihrer Webseite vertritt. Einsetzen will sie sich auch für eine «nachhaltige Steuerpolitik». Was heisst das bezogen auf Gossau? «Steuern sind ein Dauerbrenner. Pauschale Aussagen lassen sich dazu nicht treffen, es müssen Kosten und Nutzen gegeneinander abgewogen werden.» Ein weiteres Thema der Ex-Polizistin ist die Sicherheit im öffentlichen Raum. Ganz generell sei Gossau heute zwar sicher, man müsse aber auch dem Sicherheitsempfinden Rechnung tragen. Am Bahnhof beispielsweise fühlten sich abends viele unwohl.

Eine Wahl Schelbs wäre ihrer Ansicht nach auch nützlich für das Dorf Arnegg. «Eine Arnegger Vertretung im Stadtrat wäre wünschenswert. Auch wenn der Wohnort natürlich kein Hauptkriterium sein darf», sagt sie. Eine Fusion mit dem Nachbardorf Andwil hätte sie begrüsst, weil es vieles vereinfacht hätte, vor allem im Bereich der Schule. Das Nein aus Andwil müsse man aber respektieren.

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