Überraschende Kandidatin – Gossauer Nachrichten vom 8. Juni 2016

Wie angekündigt tritt die SVP bei den Stadtratswahlen im September mit einer eigenen Kandidatur an. Carla Schelb, die Frau von Stadtparlamentarier Remo Schelb, soll die Partei nach acht Jahren zurück in die Gossauer Exekutive bringen.

Stadtratskandidatur «Wir sind uns bewusst, dass dieser Umstand zu Diskussionen führen wird, aber für mich spielt das keine Rolle. Wir sind zwei eigenständige Persönlichkeiten und hätten Aufgaben, die voneinander getrennt sind», sagt Carla Schelb zur nicht alltäglichen Situation, dass Gossau ab Herbst eine Stadträtin haben könnte, die mit einem Stadtparlamentarier verheiratet ist. «Ärzte, Banker und Treuhänder müssen sich gegenüber ihren Partnern auch an die Schweigepflicht halten, warum sollte das für eine Politikerin nicht möglich sein?», fragt Fraktionspräsident Gallus Hälg. Von der Gesetzgebung her gebe es auf jeden Fall keinerlei Einwände gegen eine solche Konstellation. Parteipräsident Markus Rosenberger betont, mit Carla Schelb präsentiere man die Wunschkandidatin für die Stadtratswahlen, entspreche sie doch perfekt dem Anforderungsprofil, das die Parteileitung im Vorfeld der Kandidatensuche erstellt habe

«Eine Vertrauensfrau»
Sie sei eine Familienfrau und Unternehmerin, verfüge über ein gutes Netzwerk und als ehemalige Kantonspolizistin sei sie «eine Vertrauensfrau». «Ich verfüge über eine breite Erfahrung, übernehme gerne Verantwortung und möchte etwas bewegen», sagt Schelb selbst zu den Beweggründen für ihre Kandidatur. Seit vier Jahren ist sie Mitglied der SVP. Ursprünglich habe sie sich für das Amt als Schulrätin interessiert. «Doch im Gespräch haben wir sofort gemerkt, dass Carla Schelb alle Voraussetzungen für eine gute Stadträtin mitbringt. Das habe ich ihr auch überfallartig mitgeteilt», lacht Rosenberger. Nach einer längeren Bedenkzeit erklärte sich Schelb bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Sie soll nun die SVP nach acht Jahren Absenz zurück in den Stadtrat bringen. «Wir wollen Verantwortung übernehmen. Aufgrund des Wähleranteils von fast 30 Prozent haben wir den politischen Anspruch auf einen Sitz in der Exekutive», so Rosenberger. Es sei ihnen von verschiedenen Seiten immer wieder zugetragen worden, als zweitgrösste Fraktion müssten sie mehr politische Verantwortung übernehmen. Das würden sie gerne tun.

Ohne Stadtrat fehlt etwas
Er selbst habe als Parlamentarier noch vier Jahre mit einer SVP-Vertretung in der Stadtregierung erlebt, erzählt Gallus Hälg: «Nun sind wir seit acht Jahren nicht mehr in der Exekutive und ohne Stadtrat hat uns bezüglich schnellen und ausführlichen Informationen etwas gefehlt.» So habe man entsprechend mehr Oppositionspolitik betreiben müssen. Nun habe man eine Kandidatin, die «durch alle Bereiche wählbar sei». Als Arnegger freue es ihn natürlich besonders, dass Schelb diesen Gemeindeteil vertreten würde, schliesslich sei jeder zehnte Gossauer ein Arnegger. Schelb selbst glaubt nicht, dass ihr Wohnort zum Nachteil im Wahlkampf werden könnte. «Die Arnegger werden sich freuen, dass sich jemand von ihnen zur Wahl stellt. Und für die Gossauer ist das doch kein Problem.»

Unbefangen
Auch die fehlende politische Erfahrung sieht Fraktionspräsident Gallus Hälg nicht als Nachteil. Ganz im Gegenteil: So sei garantiert, dass Schelb unvoreingenommen und unbefangen ans Werk gehe. Schelb verweist auf ihren breiten Erfahrungsschatz. So war die in Winkeln aufgewachsene 44-Jährige während sieben Jahren als uniformierte Polizistin unterwegs, arbeitet im Familienbetrieb im Büro und führt mit ihrem Team ein Bed und Breaktfast in Arnegg und eine kleine Pension in Flawil. Auch dank ihrer vielfältigen Freizeitgestaltung verfügt Schelb über ein breites Beziehungsnetz. So singt sie in einem Gospelchor, ist Kampfrichterin für den Schwimmclub Flipper und gibt im Namen von Pro Velo St.Gallen Fahrradkurse für Kinder.

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