«Angstkampagne hat gewirkt» - St. Galler Tagblatt vom 6. Juni 2016

Der Durchgangsplatz für Fahrende in Gossau kommt nicht zustande: Mit 57 Prozent Nein- zu 43 Prozent Ja-Stimmen wurde die Umzonung abgelehnt. Die SVP und FDP freut's, die CVP nimmt's zur Kenntnis, SP und Flig sind sehr enttäuscht.

ANGELINA DONATI

GOSSAU. Noch bis Sonntagmittag wollte das Rätselraten um das Abstimmungsergebnis nicht abnehmen. Bis zur letzten Minute war nicht klar, wie sich die Stimmbürger zum Durchgangsplatz entscheiden werden. Gegner und Befürworter waren sich bewusst, dass das Resultat knapp ausfallen könnte. Dass es derart deutlich werden würde, hat sie aber dann doch überrascht. Mit 57 Prozent Nein- zu 43 Ja-Stimmen hat sich Gossau gegen die Initiative entschieden.

Überzeugung nicht gelungen
Grosse Enttäuschung macht sich bei Florian Kobler breit, Co-Präsident Komitee «Ja zur Initiative Durchgangsplatz» und Fraktionspräsident SP Gossau-Arnegg, breit. «Wir haben alles versucht, die Gossauer über die Notwendigkeit dieses Platzes für Jenische zu überzeugen. Gelungen ist es uns nicht», sagt Kobler kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses. Die erfolgreiche Unterschriftensammlung und das breit abgestützte Komitee haben Mut gemacht, ein positives Signal aus Gossau zu senden. Schwierig wurde es aber, als sich ein Gegner-Komitee mobilisierte. «Den acht Gewerbe-Männern ist gelungen, mit unfairen Argumenten und grossflächigen Inseraten die Gossauer von einem Nein zu überzeugen», so Kobler.

«Halbwahrheiten verbreitet»
Die Abstimmung sei jetzt zwar durch, die Leidtragenden aber würden bleiben. «Wo sollen denn die Jenischen nur hin?», fragt Kobler. «Der Platz an der Wehrstrasse wäre ideal gewesen.» Mit dem Nein verschärfe sich das Problem der fehlenden Haltemöglichkeiten der Schweizer Fahrenden im Kanton. Es sei bitter, dass Vorurteile und Ausgrenzungen gegenüber Minderheiten obsiegen. Kobler's Ansicht nach brauche es jetzt endlich Lösungen. Sehr enttäuscht» ist auch Alfred Zahner, Flig-Präsident. Das Ergebnis zeige, dass die Toleranz gegenüber anderen nicht genügend vorhanden sei. «Die Angstkampagne der Gegner mit hohem finanziellem Einsatz hat die Wirkung offenbar nicht verfehlt», sagt Zahner. Die «Halbwahrheiten», mit welchen die Gegner argumentierten, stossen ihm sauer auf. Zahner war guter Dinge, dass sich die Gossauer für den Platz aussprechen. Demnach habe die schweigende Mehrheit ein Nein in die Urne gelegt.

«Klares Zeichen fürs Gewerbe»
Auch anderen fiel auf, dass sich zum Thema Durchgangsplatz einige Stimmbürger nicht äussern wollten. «Es war ein emotional besetztes Thema», sagt Stadtpräsident Alex Brühwiler. Genauso sieht es Sandro Contratto, Präsident der FDP Gossau-Arnegg. Er hingegen ist mit dem Abstimmungssonntag zufrieden. «Die Gossauer haben die Priorität auf das Gewerbe und die Industrie gelegt», sagt Contratto. Das Ergebnis an der Urne spiegelte die Entscheidung im Parlament wider. Im vergangenen September sprach sich dieses mit 18 zu 12 Stimmen gegen die Umzonung aus, worauf die SP eine Initiative startete. «Sehr erfreut» ist auch Markus Rosenberger, Präsident der SVP Gossau-Arnegg. «Es wäre ein Fehler gewesen, den Platz, der für Gewerbe und Industrie vorgesehen ist, umzuzonen.» Dennoch müssen Alternativen für Fahrende gefunden werden. Die CVP Gossau-Arnegg, die als einzige Partei aufgrund zweier Lager keine Parolenfassung bekanntgegeben hatte, «nimmt den Abstimmungsentscheid zur Kenntnis», sagt deren Präsidentin Seline Heim. Aber auch die CVP ist der Meinung, dass die Suche nach einem
Standort nun weitergehen müsse.

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