Das Warten hat sich gelohnt – St. Galler Tagblatt vom 8. September 2016

Das Gossauer Stadtparlament hat die Kredite für Bushof, Tagesstrukturen und Informatikmittel für die Primarschule genehmigt. Zu allen drei Vorlagen stellte die SVP Anträge. Diese fanden aber bei den anderen keine Zustimmung.

ANGELINA DONATI

GOSSAU. Die Gossauer Stadtparlamentarier waren an der Sitzung vom Dienstag grösstenteils gleicher Ansicht. Dennoch gab es sage und schreibe 27 Wortmeldungen. Zum Teil führten diese zu aufreibenden Debatten, nicht zuletzt wegen der SVP-Fraktion. Den Vorlagen stimmt sie im Grundsatz zu, sah aber mit eigenen Anträgen Spar- oder Verbesserungspotenzial.

Sicherheitskonzept verfrüht

Von links bis rechts waren sich alle Parlamentarier einig, dass sich das Warten auf den Bushof gelohnt hat. Das ursprüngliche Projekt aus dem Jahr 2010 wurde damals bemängelt und zurückgewiesen. Entstanden ist nun eine komplett neue Vorlage, die die Parlamentarier laut ihren Wortmeldungen zufrieden stimmt. Der Bushof wird nach Osten verlegt und die vier Haltekanten auf acht ausgeweitet. Damit kann der Bahnhofplatz gestalterisch aufgewertet werden. Mit 3,4 Millionen Franken kostet das Projekt deutlich mehr als die erste Version. Hinzu kommen 400 000 Franken für die Erneuerung der Werkleitungen.

Ein Antrag der SVP, jetzt ein Sicherheitskonzept auszuarbeiten, löste bei anderen Parlamentariern Kopfschütteln und Unmut aus. Der zuständige Stadtrat Stefan Lenherr erklärte, dass ein solches Konzept bei Baubeginn nicht mehr zeitgemäss und daher eine Fehlinvestition wäre. Den Antrag der SVP lehnten die Parlamentarier ab und gaben dem Projekt Bushof grünes Licht. Damit nahm es eine wichtige Hürde: Als nächstes folgt die Volksabstimmung.

Tagesstrukturen in drei Schulen

Ebenfalls vors Volk gelangt der Kredit für die familienergänzenden Tagesstrukturen in den Primarschulhäusern Büel, Othmar und Haldenbüel. Nach ersten Einschätzungen rechnet der Stadtrat mit einem jährlichen Aufwand von 420 000 Franken. Noch aber sind die Subventionen vom Bund nicht abgezogen. Dieser Zuschuss dürfte sich jährlich auf ungefähr 100 000 Franken belaufen. Hinzu kommen einmalige Ausgaben von 90 000 Franken für bauliche Anpassungen und Einrichtungen der Betreuungsangebote. Und wieder war es die SVP, die bei dieser Vorlage Einwände erhob. «Es ist nicht Aufgabe der Allgemeinheit, diese Kosten zu tragen», sagte SVP-Parlamentarierin Désirée Baldegger. Den grössten Teil der Kosten sollen die tragen, die das Angebot nutzen wollen. In ihren Antrag wollte die SVP den Kredit um die Hälfte kürzen. Bei allen anderen Parlamentariern fand sie allerdings kein Gehör.

Neue Laptops und Computer

Genehmigt wurde auch der Kredit von 900 000 Franken für die Ausstattung der Primarstufe mit 350 Laptops und 110 Computern. Dem Antrag der SVP, in den Kindergärten auf Laptops und WLAN zu verzichten und somit 24 000 Franken zu sparen, konnten die anderen Parlamentarier nichts abgewinnen. Im Gegenteil: Sie betonten mehrmals, wie wichtig es für Gossau sei, dass die Volksschule im Informatikbereich gut aufgestellt bleibe.

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SVP: Junge «Boxer» steigen in den Ring – St. Galler Tagblatt vom 6. September 2016

(ANGELINA DONATI)

Die SVP möchte weiter zulegen. Auch bei diesen Wahlen will die Partei einen Sitz im Gossauer Stadtparlament dazugewinnen. Möglich machen sollen es 14 Kandidaten und eine Kandidatin, die mit ihren Boxhandschuhen auffallen.

ANGELINA DONATI

GOSSAU. Der Frauenanteil in einem Tief: Wie bei der CVP sind auch bei der SVP Gossau-Arnegg Kandidatinnen kaum vertreten (Ausgabe vom 1. September). Als einzige Frau unter 14 Männern kandidiert Désirée Baldegger fürs Gossauer Stadtparlament. Sie ist eine von sieben Bisherigen. Auffällig sind die vielen Jungen. Von den Neuen ist die Hälfte unter 30jährig. Jüngster Anwärter ist Pascal Fürer mit Jahrgang 1993. Ziel der Partei ist es, die neun bisherigen Sitze zu verteidigen und einen weiteren zuzulegen. Nicht mehr antreten werden Roland Seiler und Hans Hälg.

Zulegen möchte die SVP auch im Stadtrat und endlich ihrem selbst erklärten Sitzanspruch gerecht werden. Sie portiert Kandidatin Carla Schelb (siehe Zweittext), die sich nun einer Kampfwahl gegen Helen Alder Frey stellt. Auch im Gossauer Schulrat soll der Bisherige Alex Harder den Sitz verteidigen und Thomas Jung einen zweiten erobern.

Schlagabtausch mit der CVP

Themen, wie etwa die anhaltende Flüchtlingskrise dürften der Partie in die Hände spielen und neue Sympathisanten bescheren. Bei den Gossauer Stadtparlamentswahlen vor vier Jahren konnte die SVP den neunten Sitz für sich buchen. Eine Gewinnerin war auch die SP, die mit drei Sitzen Fraktionsstärke erlangte. Je einen Sitz abgeben mussten damals CVP und Flig. Sollte sich dieses Szenario wiederholen, würde die SVP aus diesen Wahlen als stärkste Fraktion hervorgehen.

Aktiver Wahlkampf

Gelingen soll dies unter anderem mit einem Wahlkampf, der aktiv betrieben wird. An der Nominationsversammlung wurde der Auftritt als «keck», oder auch als «poppig» bezeichnet. Längst ist auch bekannt, was genau damit gemeint war. Denn beim Blättern in der Zeitung oder beim Vorbeifahren am Plakate-Wald in Gossau sind sie allgegenwärtig: Die Kandidatinnen und Kandidaten, lächelnd, und ausgestattet mit grün-glänzenden Boxhandschuhen.

Am 25. September wird das Gossauer Stadtparlament neu besetzt. Wir stellen alle Parteilisten vor.

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Kampfwahl gegen CVP – St. Galler Tagblatt vom 6. September 2016

Um den freiwerdenden Sitz im Gossauer Stadtrat bewerben sich gleich zwei: Die Kontrahentinnen Helen Alder Frey (CVP) und Carla Schelb (SVP). Mit ihrer Kandidatin will die SVP Gossau-Arnegg Verantwortung übernehmen. «Aufgrund des Wähleranteils von rund 30 Prozent habe die SVP den Anspruch auf mindestens einen Sitz im Stadtrat», rechnete Parteipräsident Markus Rosenberger an der Medienkonferenz Anfang Juni vor. Endlich, nach acht Jahren, soll der Einzug in die Exekutive wieder glücken.

Carla Schelb ist 44jährig und arbeitet als Unternehmerin in den Familienbetrieben mit. Die Anfrage des Parteipräsidenten hatte sie aber überrascht, wie sie offen zugibt. So bekundete die Arneggerin ursprünglich Interesse am Gossauer Schulrat. Beim Gespräch aber habe sich herauskristallisiert, dass sie die ideale Besetzung für den Stadtrat sei, sagte Rosenberger. (ad)

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Remo Schelb tritt bei Wahl seiner Frau zurück - Gossauer Nachrichten vom 5. September 2016

Stadtparlamentarier Remo Schelb hat seine Partei und Fraktion darüber informiert, dass er bei einer allfälligen Wahl seiner Frau Carla Schelb, zur ersten Gossauer SVP Stadträtin, seinen Rücktritt aus dem Parlament geben wird.

Wahlen «Remo Schelb, ein engagiertes und geschätztes Mitglied mit grossem Fachwissen und einer wirtschaftsfreundlichen Politik, ist dieser Entscheid nicht leicht gefallen. Ihm liegt das Wohl der Gossauer und Arnegger Bevölkerung sehr am Herzen», lässt die Partei verlauten. Um mögliches Konfliktpotenzial gar nicht erst aufkommen zu lassen, wolle er «dies im Interesse der Gossauer Bürger und der Partei so regeln.» Die SVP Gossau-Arnegg unterstreicht, dass sie Verantwortung in der Exekutive übernehmen möchte, was nur mit einem Mitglied im Stadtrat funktioniere. tb

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Tagblatt-Podium zu den Gossauer Stadtratswaheln – St. Galler Tagblatt vom 3. September 2016

Mit Niederlagen leben lernen

(CORINNE ALLENSPACH)

Gute Zeiten, schlechte Zeiten, die habe man auch als Stadtrat. Aber insgesamt sei Gossau gut aufgestellt: Dies die einhellige Meinung der Kandidaten. Am Podium vom Donnerstag gab's nebst Einigkeit viel zu lachen und Spontanapplaus.

CORINNE ALLENSPACH

GOSSAU. So viel Harmonie wirkt schon fast unheimlich. «Das sehe ich auch so» oder «da kann ich meinem Kollegen, meiner Kollegin nur zustimmen», sind am Donnerstag die meist gehörten Sätze im Fürstenlandsaal. Gegen 100 Personen sind gekommen, um von den bisherigen und neuen Stadtratskandidaten zu hören, was sie mit Gossau vorhaben. Moderiert wird das Podium von den Tagblatt-Redaktoren Angelina Donati und Johannes Wey.

Keine Chance für Kantonsrat

Stadtentwicklungskonzept, Finanzen, Gesak, Glasfasernetz, Solardebakel, Bushof, Schulhaussanierungen, Kindertagesstätten, Asylsuchende, Führungsstrukturen in der Schule: Der Themenmix ist breit. Dass einzelne Mitglieder oder der ganze Stadtrat die vergangenen Jahre ab und an in der Kritik standen, gehöre dazu, sind sich die Kandidaten einig. «Man muss auch mal Niederlagen einstecken können», sagt Stadtpräsident Alex Brühwiler (parteilos). Dies auf die Frage, ob sich der Stadtrat bei der Vorlage zum Durchgangsplatz für Fahrende zu wenig eingesetzt habe. «Nein, ganz sicher nicht», so Brühwiler. Es sei ein sehr emotionales Thema gewesen und es sei wichtig, auch solche zur Abstimmung zu bringen. «Wenn der Stadtrat nur noch Vorlagen bringt, bei denen er sicher ist, dass er die Mehrheit im Volk erhält, ist das eine schlechte Entwicklung.»

Amtsmüde, das sei er auch nach knapp 16 Jahren nicht, betont Brühwiler. Er habe das nötige Rüstzeug und die persönliche Energie, darum kandidiere er nochmals. Warum war er nie im Kantonsrat? Als Parteiloser habe man keine Chance, gewählt zu werden. «Das hätte ich mir vorher überlegen müssen, aber ich wollte sowieso nie in den Kantonsrat.» Mit Freude als Erziehungsrat wirkt Schulpräsident Urs Blaser (FDP). Er spricht am Donnerstag nicht nur über die Herausforderungen der Schule Gossau, er wirbt auch für Harmos und den Lehrplan 21.

Wer arbeitet, macht Fehler

Während Brühwiler und Blaser so gut wie gewählt sind, kommt es für die drei Sitze im Stadtrat zu Kampfwahlen. Neu kandidieren Helen Alder Frey (CVP) und Carla Schelb (SVP) (Text unten). Angst vor einer Abwahl haben die Bisherigen Gaby Krapf (FDP) und Stefan Lenherr (CVP) nicht. «Aber den heissen Wahlherbst, wie ihn die Medien vorhersagen, nehme ich sehr ernst», sagt Lenherr. Dass er vor vier Jahren das schlechteste Resultat aller Stadträte erreichte, bringe sein Departement «Bau, Umwelt, Verkehr» mit sich, ist er überzeugt. «Etwas ketzerisch gesagt: Wer am meisten arbeitet, kann auch am meisten Fehler machen.»

Auch Gaby Krapf fürchtet sich nicht vor einer Abwahl. Dass das Solardebakel nachwirke, hofft sie nicht. Sie habe mit ihrem Departement «Versorgung, Sicherheit» einiges bewirkt, manchmal seien die Projekte halt etwas zu zukunftsgerichtet gewesen. «Aber wir sind nicht da zum Verwalten.» Mit einem tierischen Vergleich und einem Quiz sorgen die Moderatoren dafür, dass nicht nur trocken politisiert, sondern auch gelacht wird.

Bei den Zahlen hapert's

Die Zahl der Gossauer Nachbargemeinden kennt ausser den Moderatoren allerdings niemand. Brühwiler tippt auf fünf, Blaser auf sieben. Richtig sind acht. «Ich habe halt Andwil schon einverleibt», sagt Blaser spitzbübisch, und Brühwiler witzelt, er habe nur die wichtigsten Nachbarn gezählt. Eine Punktlandung schafft Gaby Krapf. Sie kennt Gossaus Fläche (gut 27 Quadratkilometer) fast auf den Meter genau – Spontanapplaus. Den gibt's auch für Brühwiler. Er lässt sich nicht in die Karten blicken, welche drei Stadträte er am 25. September wählen wird. Seine später befragten Kollegen tun es ihm gleich.

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